Gute Führung? Persönliches Coaching unverzichtbar! – Sowie neun weitere kernige Aussagen

Christine Paulus Gute Führung Coaching

Das Management kann einpacken? Jetzt ist Leadership gefragt!? Wie gestaltet sich die Reise in die Zukunft guter Führung? Warum für wirksame Führungskräfte und Mitarbeiter zukünftig Coaching unverzichtbar ist und weitere spannende Ergebnisse aus einer Interview-Studie mit 400 Führungskräften. Lesen Sie jetzt!

Auf der Zukunft Personal 2013 berichtete Prof. Peter Kruse von seinem Forschungsprojekt. Der Titel seines Vortrags lautete „Zukunft von Führung – Kompetent, kollektiv oder katastrophal?“ Ich war begeistert von seinem Vorhaben und empfahl Ihnen, sich das Video des Vortrags ebenfalls anzuschauen:
Christine Paulus Gute Führung Coaching 02

Die wissenschaftliche Kammer meines Psychologen-Herzens begann fröhlich zu pumpen. Diese Studie folgte den ersten Blicken nach zu urteilen sowohl einer hieb- und stichfesten Methodik und erschien außerordentlich praxisnah und praxisrelevant zu sein. Prof. Peter Kruse und sein Kollegium verwendeten qualitative Interviews. Diese nutzte ich übrigens selbst in meiner Masterarbeit. Ich interviewte damals zwölf angehende Führungskräfte zu Ihrem Rollenwechsel, vgl. “Manager in spe” – Fehlender Fokus auf Mitarbeiter(innen).

Ein qualitatives Vorgehen empfiehlt sich zum einen, wenn die Datendecke eines Themengebiets noch recht dünn ist und zum anderen, wenn das intuitive, implizite, unbewusste Wissen der Befragten erfasst werden soll. Genau darum geht’s. Wie sieht gute Führungskultur zukünftig aus? Welche Wertvorstellungen und mentalen Handlungsmuster sind bei aktuell agierenden Führungskräften zu finden?

Um dieser Frage nachzugehen interviewten Prof. Peter Kruse und Kollegen 400 Führungskräfte. Dabei beschrieb jede/-r Befragte/-r mit eigenen Worten den Themenkomplex „gute Führung“, wie er für ihn oder sie bedeutsam ist. Anschließend wurden die Aussagen in einer Wörter-Matrix zusammengefasst. Aus den entstandenen Relationen wurde pro Person ein mehrdimensionaler Raum errechnet. Fasst man all diese mehrdimensionalen Räume zusammen, erhält man ein Abbild der berichteten Führungskultur. Zwar mag dies aus statistischer Sicht nicht allzu aussagekräftig sein, doch dieses methodische Vorgehen garantiert Ergebnisse, die inhaltlich vollumfänglich repräsentativ sind.

Über die Hälfte der Teilnehmenden waren Vorstandsmitglieder oder Bereichsleiter/-innen. Ebenfalls über die Hälfte der Teilnehmenden arbeiteten in Unternehmen, die über 250 MitarbeiterInnen beschäftigen. Die meisten der Befragten waren in der Dienstleistungsbranche tätig. Dreiviertel der Befragten waren Männer und knapp die Hälfte der Interviewten waren zwischen 41 und 50 Jahre alt. Alle Daten wurden in Deutschland erhoben.

Zum Zeitpunkt seines Vortrages befand sich das Projekt noch mitten in der Datenerhebung. Ich erwartete die Ergebnisse in den letzten Monaten gespannt. Seit ein paar Tagen sind die Ergebnis veröffentlicht! Sie können einen offiziellen Ergebnisbericht herunterladen. Am Ende dieses Artikels füge ich Ihnen das entsprechende Dokument als SlideShare an. Die Daten sind schön aufbereitet, das Lesen ist vergnüglich – es ist zu empfehlen.

Damit Sie sich einen Überblick verschaffen können, fasse ich für Sie die zehn Kernaussagen guter zukünftiger Führungskultur zusammen und kommentiere an der einen oder anderen Stelle:

1. Flexibilität und Diversität machen erfolgreich

Führungsstrukturen werden beweglich, Arbeitszeiten werden individuell gestaltet. (Dezentrale) Teams setzen sich gemäß Aufgabenstellung immer wieder neu zusammen. Dabei wird Diversität gefördert und werden Frauen in Führung geschätzt.

2. Prozesskompetenz als neuer Soft Skill

Als neue Schlüsselkompetenz wird das Gestalten ergebnisoffener Prozesse gesehen, also mehr Orientierung am Prozess als an akribischer Planung.

3. Selbstorganisierte Netzwerke sind heute

Teams organisieren und strukturieren sich selbst. Soziale Medien werden intern als auch über Unternehmensgrenzen hinweg genutzt. Mit der vermehrten Vernetzung gehen gesteigerte Kreativität, erhöhte Innovationskraft und zügigere Unternehmensprozesse einher.

4. Hierarchisches Management war gestern

Zielemanagement, Controlling und klassische Linienhierarchie verlieren an Bedeutung.

5. Kooperation statt Wettbewerb

Effizienz- und profitorientiertes Management verliert an Bedeutung. Synergien zwischen Unternehmen erhalten vermehrt Aufmerksamkeit.

6. Persönliches Coaching ist ein unverzichtbares Werkzeug für Führung

An dieser Stelle mag ich ein paar mehr persönliche Zeilen ausführen: Inhaltlich überrascht mich diese wörtlich übernommene Kernaussage in keiner Weise. Überrascht hat mich vielmehr, dass Coaching dergestalt präsent ist und Einzug erhält in ein potenzielles neues Führungsparadigma – gemäß den Aussagen von 400 gestandenen Führungskräften!

Ich zitiere aus dem Ergebnisbericht, wenn ich schreibe „Mächtig ist nur, was auf Resonanz trifft.“. Deshalb würden Einfühlungsvermögen und Einsichtsfähigkeit wichtig. Insofern bräuchten sowohl Führende als auch Geführte intensive Begleitung bei der (persönlichen und beruflichen) Entwicklung und Raum für Reflexion.

7. Motivation durch Selbstbestimmung und Wertschätzung

Persönliche Wertschätzung, Freiraum, Eigenverantwortung, Autonomie, Sinn – assoziieren wir nicht einige dieser Wörter mit der Generation Y? Bereits in dem Wertekosmos, der hier durch Führungskräfte vieler Altersklassen beschrieben wird, finden sich diese Motive für persönliches Engagement.

8. Gesellschaftliche Themen im Fokus

Gesellschaftliche Solidarität und soziale Verantwortung von Unternehmen gewinnen an Bedeutung: von der Shareholder-Value-Perspektive hin zu einem solidarischen Stakeholder-Handeln.

9. Wunsch nach Paradigmenwechsel

Dieser Wunsch ist groß! Denn die Anforderungen an heutige Führung und die gelebte Führungspraxis unterscheiden sich maßgeblich. Dies ist (nicht nur) ein Nachteil beim Gewinnen und Binden von Talenten.

10. Kriterien guter Führung nur zur Hälfte verwirklicht

Damit ist alles gesagt. Nun geht es an die weitere Gestaltung dieser Führungskultur!

Wenn Sie dieses zukunftsweisende Thema genauso spannend finden wie ich, freue ich mich außerordentlich über öffentliche Kommentare und private Nachrichten. Welche dieser kernigen Aussagen unterzeichnen Sie spontan, worüber sind Sie skeptisch? Welche Gedanken bewegen Sie darüber hinaus? „Selbstorganisierte Netzwerke sind heute“, also lassen Sie uns vernetzt sein und gemeinsam über „Gute Führung“ reflektieren – und sie gemeinsam gestalten!

Darüber hinaus gibt es eine offizielle Plattform zum Themenkomplex – durch das Projektteam rund um Prof. Peter Kruse initiiert: Es nennt sich Forum Gute Führung. Ich habe mich dort direkt angemeldet und bin gespannt, welcher Austausch sich dort anbahnt. Sie finden mich dort unter dem Nutzernamen „Christine Paulus“ bzw. direkt auf meiner Profilseite der Community.

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