„Manager in spe“ – Fehlender Fokus auf Mitarbeiter(innen)

Christine Paulus Manager in spe

Wie sollten die ersten Schritte einer Führungskraft vorbereitet und unterstützt werden? In meiner Masterarbeit habe ich durch Interviews mit angehenden Führungskräften dies herausgearbeitet (vgl. Paulus, 2012). In einem Teil der Arbeit habe ich mich mit den Gedanken, Sichtweisen und Erwartungen der einzelnen Führungskräfte beschäftigt.

Ein Ergebnis: Angehende Führungskräfte orientieren sich vornehmlich an ihren neuen administrativen Aufgaben. Nur wenige beschäftigen sich mit den Herausforderungen, die sich auf das Entwickeln und den Umgang mit MitarbeiterInnen beziehen.

Wahrnehmung der „Manager in spe“:
Aufgaben-Orientierung > MitarbeiterInnen-Orientierung

Aufgaben-Orientierung bedeutet z.B. Fokus auf

  • Organisieren
  • Planen
  • Koordinieren von inhaltlichen Aufgaben.

Genauer: Die angehenden Führungskräfte beschäftigen sich mit ihren neuen inhaltlichen Aufgaben, mit der Notwendigkeit sich zukünftig mehr auf das Wesentliche zu konzentrieren und ihre eigene Arbeitsorganisation anzupassen sowie das nötige Fachwissen zu vertiefen. Sie erwarten nun vermehrt Aufgaben, für die sie Verwaltungskompetenzen anwenden müssen, wie z.B. die Fähigkeit zum Entscheiden, Planen, Organisieren, Definieren von Zielen sowie insbesondere Delegieren. Ein Teil der Personen führt zudem an, dass sie nun vermehrt Probleme zu lösen haben.

Was ist mit der MitarbeiterInnen-Orientierung?

MitarbeiterInnen-Orientierung bedeutet z.B. Fokus auf

  • Bewertungen, Diagnose, Formulieren von Erwartungen an MitarbeiterInnen
  • Erfüllen der Bedürfnisse und Erwartungen der MitarbeiterInnen
  • Mitarbeiterentwicklung.

Einige der angehenden Führungskräfte ist sich durchaus bewusst nun AnsprechpartnerIn für MitarbeiterInnen zu sein. Andere mitarbeiterInenn-bezogene Aufgaben beschäftigen sie nicht.

Demnach fehlt den angehende Führungskräften neben der notwendigen aufgabenorientierten Perspektive der neuen Führungsaufgabe ein Blick auf die Mitarbeiter. Sie fokussieren sich allenfalls auf den mehr formalen und administrativen Aspekt vom „Leiten von Personen“.

Dies erscheint logisch: Für Führungskräfte, die bisher als Fachkräfte tätig waren, stand ein mitarbeiterInnen-orientiertes Handeln bisher nicht im Vordergrund.

Deshalb: „Manager in spe“ auf ihre neuen Aufgaben, die sich auf MitarbeiterInnen beziehen, vorbereiten! Zum Beispiel durch ein Führungskräfte-Training und ähnliche Personalentwicklungsmaßnahmen.

Haben Sie vielleicht selbst die Erfahrung gemacht, dass Sie am Anfang Ihrer Führungskarriere darauf fokussiert waren, Ihre fachlichen Aufgaben zu erledigen? Oder haben Sie andere Erfahrungen?

Literatur: Paulus, C. (2012). Von der Fachkraft zur Führungskraft Einzelfallstudie: Einführung einer zweiten Führungsebene in einem KMU. Unveröffentlichte Master-Abschlussarbeit. Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie, Universität Göttingen.

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