Schlagfertigkeit im Business – Darf’s ein bisschen mehr sein?

Christine Paulus Schlagfertigkeit Business

Schnell, souverän, spritzig – schlagfertig zu sein ist in vielerlei Munde. Doch wie viel Schlagfertigkeit erlaubt das Büro? Was ist zu viel des Guten und was ist gerade noch erlaubt? Einen Überblick gibt dieser Artikel sowie ein paar Tipps für passende Reaktionen und was ich Ihnen empfehle, wenn Sie Ihrer persönlichen Schlagfertigkeit mehr Schwung geben wollen.

Wenn der blitzgescheite Einfall und die Entscheidung für oder gegen ein Reagieren auf sich warten lassen – zugegeben, dann ist eine schlagfertige Antwort nicht mehr schlagfertig. Dennoch gibt es ein paar Faktoren, die Sie gerade im beruflichen Umfeld berücksichtigen sollten.

Welche Beziehung haben Sie?

Sie haben einen Kollegen oder eine Kollegin, zu dem/der Sie ein gutes Verhältnis haben. Fällt ein Spruch in Ihre Richtung, so dient dies meist einer lockeren Atmosphäre, vielleicht dem Kräftemessen und Sie können es sportlich nehmen. Mit Beziehung meine ich darüber hinaus die hierarchische Beziehung: Haben Sie einen Vorgesetzten, der Sie mit einem Spruch konfrontiert, so lohnt es sich zumeist eher „sanft“ zu reagieren.

Einer der vielen Aussprüche, die Oscar Wilde zugeordnet werden, ist „Lieber einen guten Freund verlieren, als auf eine Pointe verzichten.“. Doch stellen Sie sich die Frage, ob Sie auch bereit sind Ihren Vorgesetzten zu verlieren, d.h. Ihren Job. Vom Spruch zur Kündigung, so schnell wird es nicht gehen. Dennoch sollten Sie sich gerade im beruflichen Kontext der Konsequenzen Ihrer Reaktion bewusst sein.

Ein allzu guter Konter kann zwei Folgen haben: Möglicherweise steigen Sie im Ansehen, erlangen Respekt. Doch ebenso wahrscheinlich sieht sich der/die Vorgesetzte in Konkurrenz, fühlt sich angestachelt und Sie sehen sich – vielleicht ungewollt – nun des Öfteren mit härteren Sprüchen konfrontiert. Oder aber Sie landen einen Treffer, der sogar Ihren Vorgesetzten derart trifft, dass Ihre geschäftliche Beziehung beeinflusst wird. Deshalb: im Zweifel sachte reagieren.

Ähnliches gilt, wenn Sie einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin in Ihrem Team haben, von dem/der Sie den Eindruck haben, er/sie sei eher zart besaitet. Auch dann ist ein milder, fairer Kommentar für Ihre Beziehung gewinnbringender als ein zu()treffender Spruch.

Doch es gibt Situationen, in denen Klartext angemessen ist.

Sprachwitz oder persönlicher Angriff?

Ist es noch ein lockerer Spruch oder schon eine Beleidigung? Oftmals ist diese Entscheidung ein Balanceakt. Der beste Ratgeber ist zumeist der Bauch. Wenn Sie bei einem Satz in Ihre Richtung plötzlich ein komisches Gefühl bekommen, so ist dies ein Indikator dafür, dass Sie persönlich angegriffen wurden. Dann es ist durchaus erlaubt und geboten, angemessen deutlich zu reagieren.

Ein Angriff ist entweder direkt auf Sie persönlich gemünzt oder je nach Situation auf Ihr Team, Ihre Abteilung, Ihr Unternehmen oder Ihre Branche. Typisches Beispiel für eine bewusste Beleidigung, Provokation oder ein Infragestellen der Fachkompetenz ist ein Satz wie: „Sie als IT-ler können das natürlich überhaupt nicht beurteilen.“

Mein Tipp: Verändern Sie das eigene Verhalten von einer Sekunde auf die andere radikal. Dies kann im ersten Schritt bedeuten eine andere Körperhaltung einzunehmen, festen Blickkontakt zu bieten und im zweiten Schritt den Angriff verbal zu markieren und einen Vorschlag für das weitere Vorgehen anzuschließen: „Das ist eine humorvolle Bemerkung. Doch ich schlage vor, wir sprechen nun wieder über…“

Neben der Beziehung untereinander und die Art des Spruchs sollten Sie einen weiteren Faktor berücksichtigen.

Welches Publikum haben Sie?

Oftmals sind Sie mit einem potenziellen Sprüche-Kontrahenten nicht allein im Raum. Vielleicht sind Sie bei einem Empfang, Sie selbst halten einen Vortrag oder Sie befinden sich in einer Besprechung. Die Anwesenheit anderer Personen sollte Ihr Verhalten in diesem Fall regulieren.

Stellen Sie sich vor, Sie halten einen Vortrag. Am Ende steht jemand aus dem Plenum auf und meint: „Es ist ja schön, was Sie uns hier mit Ihrem Fachchinesisch erzählen, aber verstanden hat hier keiner was.“ Nun gilt es blitzschnell zu analysieren: Was ist Ihnen wichtig? Die Beziehung zum Sprücheklopfer? Die Beziehung zum Publikum? Wenn Sie das Publikum fragen könnten: Ist es eher auf Ihrer Seite, neutral, gemischt,…?

Auch an dieser Stelle empfehle ich weniger einen vernichtenden Konter als vielmehr eine eindeutige Abwehr. Zum Beispiel mit „Vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Ich schlage vor, wir unterhalten uns nach dem Vortrag noch einmal zusammen. Gibt es weitere Fragen?“ An dieser Stelle ist es unabdingbar, nach der Reaktion sofort jedweden Augenkontakt und die gesamte Körperhaltung vom Sprücheklopfer abzuwenden, um die Situation eindeutig und souverän zu beenden.

Darf’s ein bisschen mehr sein?

Sammeln Sie schlagfertige Antworten und Reaktionen, die Sie tagtäglich im Büro, in der Kantine, auf dem Flur oder im Zug hören. Vollziehen Sie nach, was an den Reaktionen, die Ihnen gefallen, Schlagfertigkeit ausmacht. – Wenn Sie sicherer entscheiden wollen, wie deutlich Sie im beruflichen Kontext reagieren sollten, so stellen Sie sich die drei Fragen:

  • Welche Beziehung haben Sie?
  • Sprachwitz oder persönlicher Angriff?
  • Welches Publikum haben Sie?

Welche Erfahrungen haben Sie mit schlagfertigen Antworten im Business? Erinnern Sie sich an eine konkrete Situation? Sind Sie eher zurückhaltend oder der Sprücheklopfer?

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